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Suffizienz – vom „selbst denken“ zum selbst handeln

Aktualisiert: 20. Juli 2019

„Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen.“ (Sitting Bull, Lakota-Indianer) Die einzig ehrliche Reaktion bliebe somit den überbordenden Konsum zu überwinden, d.h.eine Abwendung vom Überfluss, mit dem Bewusstsein, dass alle Produkte (Kleidung, Autos, Möbel) in irgendeiner Form aus der Erde „extrahiert“ wurden sind, d.h. aus Rohstoffen der Erde hergestellt. Weil man damit jedoch in gewisser Weise den Kindern, der Nachfolgegeneration, ein „Stück Erde“ und somit ein „Stück Zukunft“ nimmt, wird von immer Menschen auf diesen „Extraktivismus“ (vgl. Welzer) verzichtet. Nichts anderes meint sufifizient zu sein, als Teil einer „artgerechten Lebensweise“, im folgenden beschrieben. Definition: suffizient wird allgemein als genügsam, ausreichend bzw. auskömmlich bezeichnet. In erster Linie steht nicht ein genereller Verzicht auf alles „lebenswerte“, sondern ein bewusstes Ablehnen von Verschwendung und ein, die Ressourcen schonendes Verbrauchen von „lebensnotwendigem“. Wobei die beiden Begriffe „lebenswert“ und „lebensnotwendig“ als subjektive Definitionen anerkannt bleiben sollten und daher individuell variieren (dürfen). Gemeint ist, allgemein gesehen, ein angemessenes, gemäßigtes und daher Ressourcen schonendes Verhalten, was auf sog. Nachhaltigkeit setzt. Dieses Verhalten kann mehrere Bereiche des Lebens involvieren. Am deutlichstes zeigt es sich im Konsumverhalten bzw. den Bereichen des Wohnens, Fortbewegens, Bekleidens und Essens. Suffizienz bedeutet auch Nachhaltigkeit durch den wissentlichen Kauf von länger haltbaren Produkten, der Reparatur deren und Tausch. Der Tausch scheint generell einen hohen Stellenwert im suffizienten Lebensstil (wieder) zu erlangen, und kann je intensiver er gelingt, weitestgehend den Konsumismus der hiesigen Gesellschaft in den Hintergrund stellen. Um dieses Ziel erreichen zu können, wird ein erhöhter Grad an Selbstwirksamkeit durch Selbsttätigkeit notwendig. Immer mehr Menschen sind bereit diesen Weg zu gehen. Etwas eindrücklicher könnte man, wie ich meine, auch von der „Generation WWW“ sprechen: „wissentlich weniger wollen“. Eine von der Allgemeinheit abweichende, d.h. nachhaltige (und) alternative Lebensweise braucht jedoch spezifisches Wissen, eine gewisse Aufmerksamkeitsspanne und (Selbst-)Bewusstsein. Beziehungsweise setzt sie dies voraus und erzeugt hernach eine bestimmte Einstellung, die einen solchen Lebensstil als sinnstiftend erachten kann. Die Angebote von Natura tangere möchte deren Entwicklung unterstützen. Auf welche Lebensweise man allerdings Bezug nimmt, hängt wiederum von einer Vielzahl von Faktoren, meist sozio- emotionaler Art und der jeweils zugänglichen Lern- und Erfahrungsräume (vgl. Möglichkeiten der Reformpädagogik) ab. Hat man die Möglichkeit ein spezielles Wissen, durch Erfahrung bzw. Erziehung zu erwerben, kann es gelingen zu einer werteorientierten Einstellung zu gelangen, ungeachtet dessen, was all die anderen tun. Und aus Überzeugung ein souveränes und vor allem nachhaltiges Verhalten anzunehmen. Die suffiziente Lebensweise wie sie hier vorgestellt wird, ist als eine alternative, gesunde, subkulturelle, gemeinschaftliche, oft kommunelle, autonome Antwort auf den Konsumismus und das Effizienzprinzip unserer Gesellschaft zu verstehen. Es bedeutet in erster Linie nicht, ein sich beschränken oder beschneiden im Ausleben seiner Möglichkeiten und Potentiale. Sondern durch diese Lebenseinstellung und die sich daraus ergebende Lebensweise ist man in der Lage mehr Potentiale auszuschöpfen, als es dies einem vielleicht aufgrund des Status aus der Herkunftsfamilie erlaubt hätte (vgl. Teufelskreis der Prekariats). Weil die Grenzen des Geldes überwunden werden können; durch Eigeninitiative, kreative Lebensgestaltung, Recycling, Tausch oder Selbsthilfe, begünstigt durch das Etablieren von Gemeinschaften in Projekten und Kollektiven. Der entscheidende Punkt dieser Lebensgestaltung ist, dass diese Lebensweise bereits eine Effektivität – eine Realität – hat.

Eine Realität, erwachsen aus Achtsamkeit und Nachhaltigkeitsgedanken, welche gleichzeitig einen positiven Effekt auf die Gesundheit ausübt. Durch Tätigkeiten wie Feuerholz machen, tinny house life, Gartenbau und Fahrrad anstatt Auto fahren, formt man seinen Körper gleichsam mit. Viele Angehörige dieser Lebenswelt ertüchtigen sich zusätzlich auch in Leibesübungen wie Qui Gong, Feldenkrais, Yoga oder Eurythmie und erhalten dadurch direkt eine intensivere Rückkopplung zu ihrem Körper (Leib), und sind somit in der Lage ein gutes Körperbild und Selbstbild von sich aufzubauen. Sie nutzen also ihre Potentiale bewusst, durch den willentlichen Verzicht bspw. auf Bequemlichkeitsprodukte wie Auto und Heizung und nutzen ihre angelegten Potentiale und trainieren sie zu Fertigkeiten. Ein suffizienter Lebensstil bedeutet ein auf "Unwerte gerichtetes, letztlich zerstörerisches Leben selbst überwunden" (Roth, W., 2010, S. 17) zu haben. Und damit kann ein solcher Lebensstil auch eine Art Prävention darstellen. Insbesondere dann, wenn durch ihre nachweisliche Nachhaltigkeit, deren intrakommunelle Kulturtechniken größeren Einbezug in die Gesellschaft fänden. Derartige intrakommunelle Kulturtechniken, die auch gut mit Kindern anwendbar sind, wären bspw. Rezepte für veganes Essen, "urban gardening" wie z.b. in Berlin, Nähtechniken, recycling- Bauanleitungen, Wohnprojektkonzepte, Aufbau von Künstler- und Musikernetzwerken für subkulturelle Veranstaltungen (Goa, Crust, DrumnBass), alles Techniken und Taten, die gelebt und in den DIY-Kreisen suffizient lebender Menschen weitergegeben werden. Als weiteres Beispiel sei erwähnt, dass "Kinderläden“, Waldkindergärten und bspw. Techno (Musik) einmal aus der Subkultur entstammten und diese noch viel mehr zu bieten hat. "Wohlstand ist Stillstand!" Es ist keine dauerhafte Absicherung fürs Überleben und per se nur ein ZuSTAND. Vor allen Dingen ein Zustand, der auf dem Prinzip „der Armut anderer“ basiert, solange man "Wohlstand" weiterhin mit "Wohlsucht" bzw. Erfolgsstreben und Habgier verwechselt. „Wahrer Wohlstand“, d.h. Zufriedenheit und ein glückseeliges Leben, muss gelebt sein und erlebt und erfahren werden können. Und dies kann schließlich über alle Milieus hinweg geschehen. Jene und weitere Gedanken scheinen Menschen zunehmens zu einer suffizienten Lebensweise zu bewegen, wenn die Erfahrungen, die daraus entstehen (können), menschenwürdig und sinnvoll erscheinen.

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Nadine Thoma

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